Stigmatisierung
Unter Stigmatisierung versteht man das Verknüpfen eines bestimmten Personen- oder Gruppenmerkmals mit einem Vorurteil. Vor allem sogenannte Minderheiten in unserer Gesellschaft werden zum Opfer solcher Stigmatisierungsprozesse, so z.B. Menschen mit psychischen Erkrankungen.
Die Folgen von Stigmatisierung können dramatisch sein. Studien haben ergeben, dass Betroffene in verschiedenen Lebensbereichen Diskriminierung, also Benachteiligung, erfahren. Darüber hinaus kann Stigmatisierung dazu führen, dass Menschen die ihnen entgegengebrachten Vorurteile verinnerlichen, und es somit zu Störungen im Selbstwertgefühl sowie Selbstvorwürfen kommen kann. Dies wird auch als "Selbststigmatisierung" bezeichnet.
Für manche Erkrankungen wie Depressionen, Schizophrenien oder AIDS, ist das Phänomen der Stigmatisierung in den letzten Jahrzehnten ausführlich untersucht worden. Das hat auch dazu geführt, dass Antistigmakampagnen entwickelt worden sind, mit dem Ziel, Stigmatisierung in unserer Gesellschaft zu bekämpfen.
Ob und in welchem Ausmaß es solche Stigmatisierungsprozesse auch bei Magersucht gibt, ist noch wenig untersucht. Erste Studien deuten darauf hin, dass das Vorurteil verbreitet sei, Magersüchtige seien selbst Schuld an der Entstehung ihrer Erkrankung und müssten sich einfach nur zusammenreißen. Diese Fehleinschätzung scheint Einfluss auf die Selbstwahrnehmung der betroffenen Patientinnen und Patienten zu haben und den Beginn einer geeigneten Behandlung zu verzögern.
Auch die Eltern von Patientinnen und Patienten mit Magersucht werden häufig mit Schuldzuweisungen konfrontiert, was auch als „Courtesy Stigma“ bezeichnet wird. Das Ausmaß dieser Vorwürfe ist ebenfalls ein Aspekt unserer Untersuchungen.